Nina Laakso: Erwartungen an die Nachhaltigkeit spielen eine wichtige Rolle für den Ruf der Universitäten
Reputationsprobleme und Krisen gehören zum Alltag von Lehr- und Forschungseinrichtungen ebenso wie bei anderen Organisationen. Auch der Zeitgeist bestimmt, was von den Universitäten erwartet wird. Da der Ruf durch Kommunikation gepflegt wird und Kommunikation in erster Linie darin besteht, Erwartungen zu erfüllen, sollten Universitäten ihre Verantwortung aus ESG-Perspektive vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen betrachten.
An der Universität Helsinki gab es in letzter Zeit Vorfälle, die die Öffentlichkeit dazu veranlasst haben, die Äußerungen und Handlungen der Leitung zu kritisieren. Wie wir wissen, füllt jemand anderes die Lücke, wenn auf Vorwürfe nicht sofort reagiert wird. Keine Universität ist davor gefeit, da in der Gesellschaft eine verschärfte Diskussionskultur herrscht.
Soziale Medien sind sowohl eine gute als auch eine schlechte Plattform für die öffentliche Diskussion. Die lebhaften Debatten in diesen freien Foren üben Druck auf die Führungsebene und die Kommunikationsabteilung einer Organisation aus. Universitäten blieben bisher weitgehend von kritischen Vorwürfen verschont, doch das ist nun vorbei. Deshalb sollten sie ihr Handeln vorausschauend planen und schnell reagieren, falls etwas passiert. Sie sollten insbesondere unter Berücksichtigung von ESG-Aspekten in ihre Reputationsarbeit investieren.
Schon ein einziger Ausrutscher kann sich auf den gesamten Bereich auswirken
Nachdem ich die Vertrauens- und Reputationsstudien unserer Universitäten über Jahre hinweg verfolgt habe, ist mir aufgefallen, dass die Universitäten in den Augen der breiten Öffentlichkeit im Durchschnitt ein recht hohes Maß an Vertrauen in der Gesellschaft genießen. Dies belegen auch die Daten von Reputation and Trust Analytics (siehe Abbildung unten). Der Hochschulbereich wird geschätzt, und von den Universitäten wird überdurchschnittlich stark eine ESG-Perspektive erwartet, die neben den Bereichen Wirtschaft, Verwaltung und soziale Verantwortung auch den Umweltaspekt umfasst.

Schon ein Reputationsruck bei einer einzigen Universität kann sich auf den gesamten Hochschulbereich auswirken. Reputationsrucks und Krisen erschüttern die Überzeugungen der Menschen, denn das Ansehen ist kein statischer Zustand.
Wie unsere Untersuchungen zeigen, können sich Vertrauen und Ansehen durch das eigene Handeln verschlechtern oder verbessern. Ein Beispiel hierfür ist der undurchsichtige Verwaltungsprozess an der Universität Lappland, der zur Ablehnung einer Dissertation führte. Meiner Meinung nach war es verantwortungsbewusst und mutig, an der Qualität der Forschung festzuhalten, obwohl die als fragwürdig erwiesene Dissertation bereits so weit gekommen war.
Ein guter Ruf erfordert neue gute Taten
Nachhaltigkeit ist ein Trend, der gekommen ist, um zu bleiben – hoffentlich zumindest in der nordischen Kultur. Wir leben nämlich in einer Zeit voller Paradoxien, denn während die aus den USA kommende Ablehnung von Nachhaltigkeit mit der Nachrichtenflut über uns hereinbricht, erwarten die Bürger gleichzeitig von absolut allen Organisationen, dass sie verantwortungsbewusst handeln. Glücklicherweise haben wir Zeit, uns darauf vorzubereiten, denn globale Phänomene erreichen Finnland oft mit einer gewissen Verzögerung.
Die ESG-Reputation setzt sich aus vielen Bereichen zusammen, wie zum Beispiel einem guten Dialog mit den Interessengruppen oder auch dem Image als Arbeitgeber. Hinter jedem dieser Bereiche müssen kontinuierlich positive Maßnahmen stehen, damit sie sich anseende auswirken.
Universitäten sind für die Demokratie unverzichtbare Institutionen. Sie stärken das Vertrauen der Bürger in wissenschaftlich fundiertes Wissen und hohe moralische Standards. Der Ruf der Universitäten ist gewissermaßen ein Spiegelbild der Gesellschaft. Es handelt sich also keineswegs um eine Nebensache, anseende des ganzen Landes anseende .
Die Autorin ist Nina Laakso, Doktorin der Wirtschaftswissenschaften mit Spezialisierung auf Führungsfragen und leitende Expertin bei Reputation and Trust Analytics in den nordischen Ländern.

